Montag, 1. Juni 2026 | Aktuelles

Modellprojekt zum Schutz von Großbäumen in Knicks gestartet

Gemeinsam mit dem Umweltministerium Schleswig-Holstein hat der SHHB im Kreis Plön ein neues Projekt zum Schutz von Überhältern in Knicks auf den Weg gebracht: Im Beisein von Staatssekretärin Katja Günther wurde der erste Vertrag unterzeichnet. Damit sind die ersten fünf Bäume des Projektes nun vor Abholzung geschützt – bis Ende 2027 sollen es bis zu 100 werden

Gruppenbild vor einem grünen Knick
Das Projektteam und Unterstützer*innen gaben am Knick von Rudolf Hopp in Rendswühren den Startschuss für das neue Modellprojekt © Anna Biß / SHHB

Wer im Frühjahr oder Sommer an einem gut gepflegten Knick entlangspaziert, wird sich wundern wie laut es dort ist. Und wo tagsüber zahlreiche Brutvögel singen, darunter auch stark gefährdete Arten wie der Trauerschnäpper, flattern im Idealfall abends die Fledermäuse – sofern es denn Überhälter gibt, große alte Bäume, die die Knickgehölze überragen und vielen Arten einen Lebensraum bieten. Fledermausexpertin Dorothea Barre erklärt: „Die Vielfalt, die so ein alter Baum bietet, können wir durch Kästen und Co. nicht ersetzen. Darum ist es ganz wichtig, dass Bäume alt werden.“

Schutz von Überhältern in Knicks

Als Überhälter gilt ein Einzelbaum auf einem Knick, der ab einem Meter Höhe einen Stammumfang von mindestens einem Meter hat. Das Problem dabei ist, dass er naturschutzrechtlich erst ab einem Stammumfang von zwei Metern vor Abholzung geschützt ist. An diesem Punkt setzt das Modellprojekt an: Um Überhälter in Knicks schon frühzeitig zu schützen und den Jungbäumen das Hineinwachsen in den naturschutzrechtlich gesicherten Status zu ermöglichen, erhalten teilnehmende Knickbesitzende eine finanzielle Förderung von 400 Euro pro Überhälter. Im Gegenzug sichern sie vertraglich zu, dass der Baum erhalten bleibt.

„Überhälter sind mehr als nur einzelne Bäume. Sie bieten als ökologische Hotspots Lebens- und Nahrungsraum für diverse Fledermaus- und Brutvogelarten und leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Der Schutz dieser Habitate soll durch das Modellprojekt honoriert werden“, sagte Holger Gerth, Vizepräsident des SHHB.

Naturschutz-Staatssekretärin Katja Günther, deren Ministerium die Gelder dafür zur Verfügung stellt, ergänzt, dass es dabei vor allem um Wertschätzung und Anerkennung und weniger um Wirtschaftlichkeit gehe: „Überhälter sind ein wertvoller Teil unserer Kulturlandschaft. Das neue Modellprojekt wird von verschiedenen Akteuren getragen und zeigt, dass Naturschutz und Landwirtschaft durch die Menschen vor Ort Hand in Hand gehen können“, sagte sie in Rendswühren. „Das Modellprojekt ist ein Baustein unserer Biodiversitätsstrategie Kurs Natur 2030 und zielt darauf ab, Rückzugsräume für Tierarten zu fördern und die ökologische Stabilität in der Agrarlandschaft zu erhalten“, erklärte die Staatssekretärin.

Überhältermanagement: Forschungsarbeit

Gleichzeitig dient das Projekt auch der Forschung: Anhand von Fledermaus- und Brutvogelkartierung erfassen Dorothea Barre und Stefanie Ismar-Rebitz die Artenvielfalt in Überhältern. Zur wissenschaftlichen Fundierung der Klimaschutzfunktion von Überhältern erforscht eine Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Stephanie Stiegel von der Europa-Universität Flensburg die Biomasse und das CO₂-Speicherpotenzial der Bäume.

Das Modellprojekt ist zunächst auf den Kreis Plön beschränkt, da laut Schleswig-Holsteins Knickbotschafter Heiner Staggen hier die landesweit „mit am besten gepflegtesten Knicks“ zu finden sind. Einer, der seine Knicks immer vorbildlich pflege, sei Landwirt Rudolf Hopp aus Rendswühren, der nun mit der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein als weiterem Kooperationspartner den ersten Vertrag unterzeichnete und damit fünf jungen Bäumen ermöglicht, geschützt groß und alt zu werden.


Zum Projekt "Modellvorhaben Überhältermanagement im Kreis Plön"

Die Förderbedingungen sind:

  • Stammumfang von 160 bis 200 cm in über 100 cm Höhe
  • kein Solitärbaum
  • Standort im Kreis Plön
  • 400 Euro Förderung pro Baum
  • max. fünf Bäume pro Antragsteller*in
Logo Kurs Natur 2030
Gefördert wird das Projekt durch das Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein im Rahmen der Umsetzung der Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Schleswig-Holstein – Kurs Natur 2030 © Logo: MEKUN; Foto: Stefanie Ismar-Rebitz

Kontakt

Interessierte Knickbesitzende wenden sich bitte an Jenny Bischoff vom SHHB: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.. Perspektivisch soll das Projekt auf weitere Landkreise ausgeweitet werden.