Mittwoch, 1. Juli 2026 | Aktuelles

Umweltausschuss meets Klimafarm

Der SHHB-Umweltausschuss war zu Besuch auf der Klimafarm in der Eider-Treene-Sorge Region. Dort wird die Bewirtschaftung nasser Moorböden getestet und ein Rohstoff namens Paludi gewonnen. Was es damit auf sich hat und wofür dieser genutzt werden kann

Menschengruppe vor Mahdgut
Elena Zydek zeigt den Mitgliedern des Umweltausschusses das Mahdgut "Paludi" © Jenny Bischoff / SHHB

Vor seiner letzten Sitzung besuchte der Umweltausschuss des SHHB die Klimafarm in Erfde. Im Mittelpunkt standen innovative Ansätze zur Bewirtschaftung von wiedervernässten Moorflächen, die Klimaschutz, Naturschutz und Landwirtschaft miteinander vereinen.

Moore für den Klimaschutz

Die Klimafarm der der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein ist eines von nur vier bundesweiten Pilotprojekten zur moorbodenerhaltenden Bewirtschaftung und wird bis 2031 mit Unterstützung des Bundes umgesetzt. Ziel ist es, wiedervernässte Moorflächen landwirtschaftlich nutzbar zu halten und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Artenschutz zu leisten. Insgesamt sollen rund 400 Hektar Moorgrünland in der Eider-Treene-Sorge-Niederung wiedervernässt und nachhaltig bewirtschaftet werden. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die unter anderem Treibhausgasemissionen und die Entwicklung der Biodiversität untersucht.

Während der Führung erhielten die Mitglieder des SHHB-Umweltausschusses einen umfassenden Einblick in die Ziele und die praktische Umsetzung des Projekts. Dabei wurde deutlich, welche zentrale Rolle Moore für den Klimaschutz spielen: Intakte Moorböden speichern große Mengen Kohlenstoff. Werden sie entwässert, setzen sie erhebliche Mengen an CO₂ frei. Durch die Wiedervernässung werden sie wieder zu natürlichen Kohlenstoffspeichern und gleichzeitig zu wertvollen Lebensräumen für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten.

Paludikultur – Landwirtschaft auf nassen Mooren

Die landwirtschaftliche Nutzung nasser Moorflächen wird Paludikultur genannt. Anders als in der klassischen Landwirtschaft werden diese Flächen nicht entwässert. Stattdessen wächst dort ein natürlicher Pflanzenmix, der regelmäßig geerntet werden kann. So bleiben die Moore nass, erfüllen ihre wichtige Klimafunktion und ermöglichen dennoch eine wirtschaftliche Nutzung.

Die Paludikultur eröffnet neue Möglichkeiten für Regionen, deren Kulturlandschaften seit Jahrhunderten von Mooren geprägt sind und heute vor den Herausforderungen des Klimawandels stehen.

Paludi – ein Rohstoff mit Zukunft

Großes Interesse weckte der neue Rohstoff Paludi, der aus der geernteten Moorbiomasse gewonnen wird. Das auf den wiedervernässten Flächen wachsende Pflanzenmaterial wird aufbereitet und anschließend als nachhaltiger Ausgangsstoff für unterschiedlichste Produkte genutzt.

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig: Bereits heute wird Paludi für Verpackungsmaterialien, Pflanzsubstrate als Torfersatz, Dämm- und Baustoffe, Dachbegrünungen, Pflanzenkohle sowie Anwendungen in der Papierindustrie erprobt. Auch innovative Produkte wie Erosionsschutz- oder Anti-Matsch-Matten zeigen, welches Potenzial in diesem nachwachsenden Rohstoff steckt. Gemeinsam mit Unternehmen aus verschiedenen Branchen entwickelt die Klimafarm neue Wertschöpfungsketten, die den Kohlenstoff langfristig in Produkten binden und gleichzeitig neue Einkommensperspektiven für die Landwirtschaft schaffen.

Impulse für die Arbeit des SHHB

Der Besuch bot den Mitgliedern des SHHB-Umweltausschusses zahlreiche Anregungen für ihre anschließende Sitzung. Die Klimafarm zeigt eindrucksvoll, dass Klimaschutz und der Erhalt unserer Kulturlandschaften keine Gegensätze sind. Vielmehr entstehen hier neue Wege, wie traditionelle Landschaftsräume nachhaltig weiterentwickelt werden können.

Mit vielen neuen Eindrücken, spannenden Diskussionen und einem vertieften Verständnis für die Chancen der Paludikultur kehrten die Ausschussmitglieder zurück. Die Klimafarm in Erfde macht deutlich, dass die Landwirtschaft der Zukunft nicht allein auf Ertragssteigerung setzt, sondern gleichermaßen Klima, Artenvielfalt und regionale Wertschöpfung in den Blick nimmt. Gerade der Rohstoff Paludi könnte dabei zu einem wichtigen Baustein einer nachhaltigen Bioökonomie werden und zeigen, dass Moore nicht nur schützenswerte Lebensräume, sondern auch Zukunftslandschaften sind.

Mehr Informationen zum Projekt Klimafarm