Donnerstag, 19. März 2026 | Aktuelles

Großes Interesse am Alleenschutz: Johann Böhling wird Alleenbotschafter

Rund 70 Alleeninteressierte aus Politik, Verbänden und Verwaltung diskutierten beim Parlamentarischen Abend im Landeshaus über besseren Schutz der Alleen im Land. Die Anregungen aus dem Plenum reichten vom Wunsch nach einer größeren Lobby für Alleen in Politik und Gesellschaft bis hin zu einer höheren finanziellen Entlastung der Kommunen bei ihrem Erhalt

Fünf Personen auf Podium
Auf dem Podium diskutierten (v.links) Prof Dr. Holger Gerth, Vizepräsident des SHHB; Katja Günther, Staatssekretärin im MEKUN; Katharina Dujesiefken, Alleenexpertin im BUND Mecklenburg-Vorpommern; Dr. Frank Schoppa, Geschäftsführer vom Landesverband Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen; Philipp Frank, Bürgermeister der Gemeinde Seedorf © Anna Biß / SHHB

Alleenschutz per Verfassung und ein Alleenfond wie in Mecklenburg-Vorpommern, eine Alleenkonzeption mit Kompetenzzentrum wie in Brandenburg, oder eine überparteiliche Arbeitsgruppe im Landtag wie im Bund? Der Parlamentarische Abend zum Schutz der schleswig-holsteinischen Alleen bot den Teilnehmenden reichlich Stoff zum Nachdenken und viele Handlungsimpulse. Die meisten von ihnen lieferte Katharina Dujesiefken vom BUND Mecklenburg-Vorpommern, die sich im alleenreichsten Bundesland seit über 20 Jahren für den Schutz der charakteristischen Baumreihen einsetzt. In ihrem Vortrag „Alleen – ein Kulturgut schützen, erhalten und weiterentwickeln“ zeigte sie eindrucksvoll auf, wie guter Alleenschutz, inklusive Erhalt alten Baumbestandes, Nachpflanzungen und der Pflege von Jungbäumen, funktionieren kann – mit den notwendigen Mitteln, aber auch den richtigen Akteurinnen und Akteuren, die die benötigten Fachkompetenzen mitbringen.

Beim Parlamentarischen Abend kamen deshalb, neben Abgeordneten aus allen im Landtag vertretenden Fraktionen (mit Ausnahme der FDP), Fachleute aus den verschiedensten Kompetenzbereichen zusammen: Aus dem Naturschutz, der Kommunalpolitik und -verwaltung, dem Straßenbau, der Baumpflege, der Baumschullandschaft, der Landwirtschaft sowie der Zivilgesellschaft. Sie alle bringen unterschiedliche Sichtweisen auf die Alleen mit, sind sich aber in einem einig: Die Baumreihen sind für unsere Natur- und Kulturlandschaft von hohem Wert und brauchen Schutz.

Katja Günther, Staatssekretärin im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein (MEKUN) betonte in ihrem Grußwort den gleich mehrfachen Wert der Alleen: „Alleen sind ein absoluter Gradmesser für die biologische Vielfalt und, als standhafter Begleiter gegen die Klimakrise, in Schleswig-Holstein eine perfekte Ergänzung zu unseren Knicks. Wir haben ja nicht so viel Wald“. Gleichzeitig hätten sie als verbindende und identitätsstiftende Elemente unserer Kulturlandschaft auch eine hohe gesellschaftliche Bedeutung: „Alleen sind fürs Herz und fürs Auge, sie vermitteln Schutz und Orientierung, und wenn wir an die großen Alleen der Fernstraßen denken, vermitteln sie auch immer Fernweh und Sehnsucht“, so Katja Günther. „Wir tun ihnen aber auch einiges an, insbesondere den Alleebäumen, die an Hauptverkehrsstraßen stehen.“ Sie betont, wie stark die Alleen in ihrem Bestand bedroht sind.

Podiumsdiskussion: Guter Alleenschutz kostet

Die Gefährdungen, denen die Alleebäume ausgesetzt sind, kommen auch in der Podiumsdiskussion im weiteren Verlauf des Abends noch zur Sprache. Der Klimawandel, Streusalz, Abgase und Verletzungen des Wurzelwerks bei Bauarbeiten, führten zu einer höheren Anfälligkeit der Bäume für Pilze, Bakterien und Schädlinge, erläutert Katharina Dujesiefken: „Es kostet immens, wenn Baumschutz nicht wirklich ernstgenommen oder Baumpflege nicht fachgerecht durchgeführt wird,“ appelliert sie an die Verantwortungsträger*innen. Und auch Frank Schoppa vom Bund deutscher Baumschulen und Mitveranstalter des Abends bricht eine Lanze für gewissenhafte Baumpflege, damit neuangepflanzte Jungbäume gut anwachsen und widerstandsfähig werden. Nur so könnten die Bäume wieder richtig alt werden: „Ältere Alleebäume sind in ihrem Bestand vielfach bedroht und ohne Lobby“, beklagt er. Dabei seien gerade diese Altbäume aus ökologischer Sicht besonders wertvoll: „Um auf denselben ökologischen Wert zu kommen, müssten für einen einzigen gefällten älteren Baum, 400 Jungbäume nachgepflanzt werden.“ Damit macht Schoppa deutlich, dass die gängige Rechnung, als Kompensation für einen Baum einen neuen zu pflanzen, nicht aufgeht. Er bemängelt in diesem Zuge auch, dass das Land für private Alleen nur Geld für Neuanpflanzungen zur Verfügung stellt, nicht aber für die Pflege und den Erhalt der bestehenden Alleebäume.

Doch nicht nur private, sondern auch kommunale Eigentümer haben an der Finanzierung „ihrer“ Alleen zu knapsen. Philip Frank, Bürgermeister der Gemeinde Seedorf, zu der gleich drei Alleen gehören, gibt klipp und klar zu verstehen, wie sehr hohe Kosten und zu viel Bürokratie, der Gemeinde zu schaffen machen: „Wir wollen die Alleen erhalten, sie sind ein wunderbares Biotop. Aber die Kosten sind kaum noch zu händeln.“ Den Landtagsabgeordneten gibt er als Wunsch mit auf den Weg: „Mit einem Fonds wie in Mecklenburg-Vorpommern wäre uns schon sehr geholfen.“

Johann Böhling: Botschafter für die Alleen

Der Schleswig-Holsteinische Heimatbund (SHHB), gemeinsam mit dem Bund deutscher Baumschulen (BdB) Schleswig-Holstein, Veranstalter des Parlamentarischen Abends, zeigt sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung: „Unser Ziel, politische Entscheidungsträger*innen mit Akteurinnen und Akteuren aus Naturschutz, Verwaltung und Zivilgesellschaft zu vernetzen, haben wir erreicht,“ sagt Umweltreferentin Jenny Bischoff, die sich über den regen Austausch zwischen den Teilnehmenden freute. „Nun gilt es, miteinander im Gespräch zu bleiben und gezielte Lösungen zu erarbeiten“, sagt sie. Dabei soll auch der Diplom-Forstwirt Johann Böhling helfen, der neuernannte Alleenbotschafter des Landes. Böhling, bei dem die enge Beziehung zu Bäumen nach eigener Aussage „ein bisschen angeboren ist“, startet voller Tatendrang in sein neues Ehrenamt: „Ein Botschafter ist ja ein Diplomat und meine Aufgabe wird daher auch die Vermittlung sein.“ Böhling fungiert in seiner Funktion somit auch als Bindeglied zwischen der Politik, dem Naturschutz und denjenigen, die sich als Alleenbesitzende um ihre Pflege und ihren Erhalt kümmern müssen, seien es Gemeinden, Landesbehörden oder Privatpersonen.

Staatssekretärin Katja Günther gab zumindest schonmal grünes Licht für weitere, hoffentlich im wahrsten Sinne fruchtbare Gespräche. Ein Alleenfond am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns sei durchaus eine Option, doch dafür müssten noch einige offene Fragen und Zuständigkeiten geklärt werden. Ihr Interesse sei geweckt und die Gesprächsbereitschaft da, signalisierte sie und gab ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Landtag einen kleinen Wink: „Gehen Sie mal wieder in eine Allee, pflanzen Sie einen Baum, und dann lassen Sie uns wieder miteinander reden.“


Der Parlamentarische Abend wurde gefördert von BINGO! Die Umweltlotterie – Projektförderung für Schleswig-Holstein. Kooperationspartner war der Landesverband Schleswig-Holstein im Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V.