06.12.2022 | Sprache/Literatur Aktuelles

Film und Gespräch - "Mittagsstunde"

19 Uhr
Kinocenter Rendsburg
Wallstraße 25
24768 Rendsburg

Gäbe es in Schleswig-Holstein noch das Schulfach „Heimatkunde“ - Dörte Hansens Bestseller „Mittagsstunde“ wäre Pflichtlektüre. Auf ebenso unterhaltsame wie herzrührende Weise resoniert hier das Schicksal einer Krögerfamilie im fiktiven nordfriesischen Ort Brinkebüll mit großen Fragen der Schleswig-Holsteinischen Nachkriegsgeschichte: Da ist das Ertüchtigungsprogramm „Programm Nord“, welches das Land Schleswig-Holstein seit 1953 bis in die achtziger Jahre durchführte. Knicks wurden geräumt, Dorfstraßen zu asphaltierten Rennstrecken ausgebaut, gewachsene Strukturen zerschnitten. Hauptfigur Ingwer Feddersen selbst ist Ergebnis der Umwälzungen, indem er aus einer Romanze seiner schwachsinnigen Mutter mit einem der Landvermesser – den Kündern der neuen Zeit - entsprang. Der Strukturwandel als Roman: Die Pflege der Alten, der Verlust der plattdeutschen Sprache, das Sterben der Dorfkrüge, und dann noch dieses Ding mit Stadtleben versus Landleben.

Mit Lars Jessen nahm sich ein Regisseur der Romanverfilmung an, der das Metier kennt: Seine Dokumentation „Krugsterben“, setzte bereits 2014 dem inzwischen abgerissenen „Kaisersaal“ im Dithmarsischen Hennstedt ein Denkmal. Eine liebevolle filmische Hinwendung zu einem wertvollen Stück Dorfleben, welche sich rückblickend wie eine Vorstudie zum Erfolgsfilm „Mittagsstunde“ anfühlt.

Lars Jessen wird als Gesprächsgast anwesend sein, wenn der Schleswig-Holsteinische Heimatbund am Dienstag, 06.12.2022 einlädt zu einem Filmabend in das Kinocenter Rendsburg in der Wallstr. 25 (Eintritt : 8,50 EUR). Unter anderem kann er berichten, warum es wichtig war, den Film auch in einer Variante in die Kinos zu bringen, die den Figuren erlaubt, so zu sprechen wie auch im Buch und in der literarisierten Wirklichkeit – nämlich plattdeutsch. Sparkassen- und Giroverband sowie das Land unterstützten die plattdeutsche Version finanziell.